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Neuerungen zum RLV-Zuschlag bei Berufsausübungsgemeinschaften und MVZ ab 01.07.2011

Derzeit wird die vertragsärztliche Versorgung in Berufsausübungsgemeinschaften (BAGen) und MVZ durch prozentuale Zuschläge auf das RLV gefördert. Hintergrund dieser Förderung ist die Anknüpfung an Behandlungsfälle statt an Arztfälle im Rahmen der Festsetzung des RLV. Die entsprechende Regelung hierzu im Beschluss des Bewertungsausschlusses vom 26.03.2010 Beschlussteil F1.3.1 lautet wie folgt:

„(…)

Zur Förderung der vertragsärztlichen Berufsausübungsgemeinschaften wird das praxisbezogene Regelleistungsvolumen

a) für fach- und schwerpunktgleiche Berufsausübungsgemeinschaften und Praxen mit angestellten Ärzten der gleichen Arztgruppe um 10 Prozent erhöht,

b) für fach- und schwerpunktübergreifende Berufsausübungsgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren und Praxen mit angestellten Ärzten anderer Arztgruppen bzw. Schwerpunkte um 5 % je Arztgruppe bzw. Schwerpunkt für maximal sechs Arztgruppen bzw. Schwerpunkte, für jede weitere Arztgruppe bzw. weiteren Schwerpunkt um 2,5 %, jedoch insgesamt höchstens um 40 % erhöht. Ärzte mit mehreren Gebiets- und Schwerpunktbezeichnungen werden nur mit einem Gebiet oder Schwerpunkt berücksichtigt.

(…)“

Diese Regelung war in der Vergangenheit von verschiedensten Seiten als „Fehlanreiz“ kritisiert worden. Gerade ortsübergreifende BAGen hätten teils ganz gezielt „die gebotenen Möglichkeiten der Honoraroptimierung“ ausgenutzt.

Aus diesem Grund gilt ab dem 01.07.2011 eine Neuregelung der RLV-Zuschläge bei fachübergreifenden und überörtlichen BAGen. Danach erfolgt vor Gewährung eines Zuschlages zunächst eine Prüfung des tatsächlichen Kooperationsgrades in der ÜBAG.

Zur Ermittlung des Kooperationsgrades in Prozent hat der Bewertungsausschuss folgende Formel festgelegt:

"((Summe Arztfälle (AF) im Vorjahresquartal / Summe Behandlungsfälle (BHF) im Vorjahresquartal) – 1) * 100"

Der RLV-Zuschlag wird sodann anhand des ermittelten Kooperationsgrades (KG) nach der folgenden Aufstellung angepasst:

Kooperationsgrad (KG in %) Anpassungsfaktor in %
0 bis < 10 0
10 bis < 15 10
15 bis < 20 15
20 bis < 25 20
25 bis < 30 25
30 bis < 35 30
35 bis < 40 35
> 40 40

Für fach- und schwerpunktgleiche Berufsausübungsgemeinschaften und Praxen mit angestellten Ärzten der gleichen Arztgruppe sowie fach- und schwerpunktgleiche BAGs, die nicht standortübergreifend sind, ändert sich hingegen auch über den 30.06.2011 hinaus nichts. Sie erhalten wie bisher einen pauschalen Aufschlag auf das RLV von 10 %.

Es bleibt damit festzuhalten, dass es ab dem Quartal III/11 einen Zuschlag auf das RLV in überörtlichen und fachübergreifenden Konstellationen nur unter der Voraussetzung eines Kooperationsgrades von mindestens 10 % geben wird.

17.01.2011
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