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Regelleistungsvolumina 2009

Im Rahmen der Honorarreform erließ der Erweiterte Bewertungsausschuß am 27./28. August 2008 einen Beschluß zur Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung. Dieser Beschluß beinhaltet insbesondere Regelungen zur Festlegung eines bundeseinheitlichen Orientierungspunktwertes, zur Berechnung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung für das Jahr 2009 und zur Berechnung der arzt- bzw. praxisbezogenen Regelleistungsvolumina. Durch die bundeseinheitliche Einführung von Regelleistungsvolumina zum 01.01.2009 wird auch zukünftig an Leistungsmengenbeschränkungen festgehalten. Die Vergütung der Leistungen wird bundesweit einheitlich zu einem Punktwert von 3,5001 Cent erfolgen, was die dem Regelleistungsvolumen unterliegenden und innerhalb des Regelleistungsvolumens erbrachten Leistungen betrifft. Darüber hinausgehende Leistungen werden nur abgestaffelt bezahlt werden. Im Folgenden soll ausschließlich der Beschlußteil, welcher die Berechnung der arzt- bzw. praxisbezogenen Regelleistungsvo-lumina regelt, dargestellt werden:

1.
Jeder Arzt einer für die Regelleistungsvolumina relevanten Arztgruppe (aufgeführt in Anlage 1 des Beschlusses) wird ein artgruppenspezifisches Regelleistungsvolumen erhalten, dessen Höhe sich aus der Multiplikation des KV-bezogenen arztgruppenspezifischen Fallwertes und der Fallzahl des Arztes im Vorjahresquartal ergibt. Für arztgruppen- und schwerpunktgleiche Berufsausübungsgemeinschaften und Praxen mit angestellten Ärzten derselben Arztgruppe/desselben Schwerpunktes wird das Regelleistungsvolumen unter Berücksichtigung eines Aufschlags i.H.v. 10 % berechnet.

Der arztgruppenspezifische Fallwert wird zur Zeit noch von den Kassenärztlichen Vereinigungen berechnet und zusammen mit dem praxisindividuellen Regelleistungsvolumen für das erste Quartal 2009 mitgeteilt werden. Das Regelleistungsvolumen berechnet sich im Einzelnen wie folgt:

Für alle Fälle bis zu 150 % der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe erhält der Arzt 100 % des Fallwertes. Für die Fälle über 150 % der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe wird der Fallwert folgendermaßen gemindert:

  • um 25 % für Fälle über 150 % bis 170 %
  • um 50 % für Fälle über 170 % bis 200 %
  • um 75 % für Fälle über 200 %

der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe.

Leistungen, die über das so berechnete Regelleistungsvolumen hinausgehen, werden mit einem Abstaffelungspunktwert vergütet, der je nach Menge floatet.

2.
Auch zukünftig wird es Ausnahmen von der Abstaffelung bei Überschreitung des Regelleistungsvolumens geben (Erhöhung des Regelleistungsvolumens). Voraussetzung wird eine außergewöhnlich starke Erhöhung der Fallzahl der behandelten Versicherten z.B. aufgrund krankheitsbedingter Vertretung des Arztes, Aufgabe einer Zulassung in der näheren Umgebung der Arztpraxis oder eines sonstigen außergewöhnlichen und/oder durch den Arzt unverschuldeten Grundes sein.

3.
Auch Praxisbesonderheiten werden geltend gemacht werden können. Eine hohe Fallzahl allein wird als Praxisbesonderheit jedoch nicht ausreichen. Es muß sowohl ein besonderer Versorgungsbedarf oder eine bedeutsame Spezialisierung als auch eine Überschreitung des individuellen Fallwertes um mindestens 30 % vorliegen, damit ein Antrag Aussicht auf Erfolg hat.

4.
Die Neuerungen sehen ferner einen Ausgleich von überproportionalen Honorarverlusten um mehr als 15 % gegenüber dem Vorjahresquartal vor. Dieser Ausgleich wird allerdings nur erfolgen, wenn die Honorarminderung mit der Umstellung der Mengensteuerung auf die neue Systematik zusammenhängt oder dadurch begründet ist, daß die Partner der Gesamtverträge bisherige Regelungen zu den sogenannten extrabudgetären Leistungen, Leistungsarten und Kostenerstattungen nicht fortgeführt haben.

5.
Neben den Leistungen aus dem Regelleistungsvolumen wird es für den hausärztlichen Versorgungsbereich ein weiteres Honorarvolumen für einzelne Leistungen geben, für welche der jeweilige Arzt die Qualifikationsvoraussetzungen erfüllt. Es handelt sich dabei um fixe Eurobeträge, die sich zwischen einem und 3,50 Euro bewegen und mit der kurativ-ambulanten Arztfallzahl der jeweiligen Praxis multipliziert werden. Bei Nichtausschöpfung des Regelleistungsvolumens kann das zur Verfügung stehende Honorarvolumen mit diesen Leistungen ausgefüllt werden. Das für diese Leistungsbereiche ermittelte Honorarvolumen kann dagegen nicht mit anderen Leistungen abgerufen werden.

6.
Für den Zeitraum der Einführung der neuen Regelleistungsvolumina ist Folgendes zu beachten:

  • Da die a-Konto nicht sofort vollumfänglich umgestellt werden können, kann es zu Überzahlungen kommen.
  • Sobald die neuen Regelleistungsvolumen mitgeteilt wurden, kann ein Antrag auf Anerkennung von Praxisbesonderheiten gestellt werden. Dies sollte auch im Hinblick darauf geschehen, daß hinsichtlich die Bildung von Gruppen innerhalb der Arztgruppen, für welche dann differenzierte Fallwerte errechnet werden, weiter verfeinert werden kann.
  • Das durch die KV mitgeteilte praxisbezogene Regelleistungsvolumen sollte genau geprüft werden – insbesondere im Hinblick auf die Gewährung von zusätzlichen Honorarvolumina (vgl. Ziffer 5).


12.12.2008
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