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SG Düsseldorf: Schlampige Bilddokumentation kann teuer werden

Das Sozialgericht (SG) Düsseldorf hat für die Dokumentation von Ultraschallbildern durch Gynäkologen Mindestanforderungen aufgestellt. Der Verstoß gegen diese Mindestanforderungen führte bei einer Frauenärztin zu einer Honorarkürzung i.H.v. 87.000,00 EURO.

Im Rahmen einer Plausibilitätsprüfung war dem Prüfgremium bei der Kontrolle der Abrechnungen eine fehlende Dokumentation der beiliegenden Ultraschallbilder aufgefallen. So trug keines der Bilder eine Kennzeichnung in Form eines Patientennamens oder einer Kennziffer. Zusätzlich waren einige Bilder nicht auswertbar und enthielten qualitative Mängel.

Das SG Düsseldorf wies in seinem Urteil vom 20.12.2006 (Az. S 2 (17) KA 276/03) unter Hinweis auf die Einleitung zu Kapitel C VII EBM 1996 und die Leistungslegenden der Nrn. 381, 388, 100, 102 EBM 1996 darauf hin, daß die Bilddokumentation obligater Bestandteil dieser Leistungen sei. Obwohl Inhalt und Umfang der Bilddokumentation im EBM nicht ausdrücklich geregelt sei, ergebe sich bereits aus der Natur der Sache, daß die Bilddokumentation, welche u.a. der Gedächtnisstütze des behandelnden Arztes und als Informationsquelle für mit- und nachbehandelnde Ärzte diene, zumindest eine eindeutige Identifizierung des Patienten und ggf. den Namen des Untersuchers beinhalten müsse. Auch die Anzeige des Datums, der Uhrzeit, des Gerätetyps und des Untersuchungsmodus seien in der Regel feste Bestandteile der Dokumentation. Selbst wenn das verwendete Ultraschallgerät nicht über die Möglichkeit verfügen sollte, diese Daten anzuzeigen, so könne der Arzt diese zumindest per Hand in das breite weiße Feld unterhalb des Bildes eintragen.

Das SG Düsseldorf beschreibt sodann recht plastisch die ohne eine solche Dokumentation bestehenden Gefahren wie folgt:

„Hinzu kommt, daß die von der Klägerin .... präsentierten Bilder nur lose in der Karteikarte eingelegt waren. ....... Ebensowenig kann vermieden werden, daß ein Stapel Karteikarten durch Unachtsamkeit auf den Fußboden fällt und eine Anzahl Bilder herausfällt. Bei einer fehlenden Kennzeichnung der Aufnahmen kann eine sichere Zuordnung zu den einzelnen Patientinnen nicht mehr gelingen. Die Folgen möglicherweise fehlerhafter Therapie mit gesundheitsschädigenden Folgen bei unrichtig wiedereinsortierten Aufnahmen liegen auf der Hand.“

Da die Ärztin das diesem Fehlverhalten zugrundeliegende grundsätzliche Verständnis von der Bilddokumentation auch in dem Plausibilitätsgespräch deutlich gemacht und die beschriebene Dokumentationsdefizite verteidigt hatte, hielt es das Gericht für gerechtfertigt, sämtliche entsprechende Leistungen in den Quartalen IV/97 bis I/01 zu streichen.

20.03.2007


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